Spanien ist nicht unbedingt als Sauna-Land bekannt. Ein kleiner Wermutstropfen für Liebhaber des Indoorschwitzens, – zugegeben. Dennoch entschied ich mich an einem kalten Wintertag 2015 dafür in den folgenden zwei Semestern an der Universidad de Cádiz zu studieren.
Etwa zur gleichen Zeit fasste auch ein Student im finnischen Oulu den Entschluss, die Vorzüge der Europäischen Freizügigkeit auszukosten und bereitete sich vor auf den Weg nach Andalusien. Für ihn allerdings, kam die Vorstellung über Monate hinweg nicht saunieren zu können gar nicht infrage, doch die pragmatische Lösung lag auf der Hand: Eine Sauna zum Mitnehmen musste her. Die Reise nach Südspanien wurde kurzerhand zum #Saunaroadtrip ernannt. Fünftausend Kilometer in einem kleinen Lieferwagen mit angehängter Schwitzkabine.
Für mich, der ich mich niemals außer Sichtweite von meinem Wohnort entferne – ohne mein Reisespätzlebrett – war das natürlich sehr verständlich. Beide Gegenstände tragen eine gewisse Verwandtschaft in sich: Eine Person geht auf Reisen und bringt ein kleines – oder größeres – Stückchen Kultur mit, dass sich mit anderen Menschen teilen lässt.
Der Reiz an unserem Projekt lag von Anfang an in der tatsächlichen Umsetzung einer benutzbaren, mobilen Sauna. Das wirkte sich auch von Beginn an auf den Entwurfsprozess aus. Angesichts der nicht wirklich vorhandenen Werkstatt an der Universität entstanden so einerseits Einschränkungen aber auch eine motivierende Herausforderung. Und als wir das Vorhaben in der Klasse vorstellten, konnten sich die Wenigsten Vorstellen, dass wir es ernst meinten. Auch die Zustimmung unserer Dozentin schien mit einer guten Portion Skepsis bedacht.
Indessen machten wir uns auf den Weg zum nächsten Baumarkt und deckten uns mit einem Heimwerker-Grundstock, bestehend aus Fuchsschwanz, Akkuschrauber und Kappsäge aus. Samuli recherchierte nach Sperrholz-Lieferanten und einem Anhänger-Chassis, während ich daran tüftelte, wie wir aus dem eckigen Holz einen runden Fußball herstellen könnten. Die Festlegung auf das Material Holz stand dabei aus verschiedenen Gründen bereits sehr früh im Prozess: Holz war mit unseren bestehenden Mitteln verarbeitbar, hatte die richtigen Isolationseigenschaften und im Interieur ist es ohnehin die erste Wahl für den Saunabau. Zudem galt es, das zulässige Gesamtgewicht unseres Anhängers von 750kg nicht zu überschreiten – schließlich sollte sich der Entwurf auf dem Campus einsetzen lassen und das, ohne eine immobile Architektur mit verbundener Baugenehmigung etc. zu erfordern. So bastelten und planten wir in unserer Erasmus–WG solange, bis wir ein funktionierendes Konzept in modularer Bauweise entwickelt hatten, dass sich in unserem Wohnzimmer so weit vorbereiten ließ, bis wir die Einzelteile auf dem Balkon herstellen konnten und nur noch einen Ort für die Montage der Sauna benötigten. Freundlicherweise stellte uns die Universidád de Cádiz dafür einen ungenutzten Fahrrad-Parkplatz auf dem Campus zur Verfügung, der sich gut für unsere Zwecke eignete.