Mobile Sauna

Löyly to go

Spanien ist nicht unbedingt als Sauna-Land bekannt. Ein kleiner Wermutstropfen für Liebhaber des Indoorschwitzens, – zugegeben. Dennoch entschied ich mich an einem kalten Wintertag 2015 dafür in den folgenden zwei Semestern an der Universidad de Cádiz zu studieren.

Etwa zur gleichen Zeit fasste auch ein Student im finnischen Oulu den Entschluss, die Vorzüge der Europäischen Freizügigkeit auszukosten und bereitete sich vor auf den Weg nach Andalusien. Für ihn allerdings, kam die Vorstellung über Monate hinweg nicht saunieren zu können gar nicht infrage, doch die pragmatische Lösung lag auf der Hand: Eine Sauna zum Mitnehmen musste her. Die Reise nach Südspanien wurde kurzerhand zum #Saunaroadtrip ernannt. Fünftausend Kilometer in einem kleinen Lieferwagen mit angehängter Schwitzkabine.

Für mich, der ich mich niemals außer Sichtweite von meinem Wohnort entferne – ohne mein Reisespätzlebrett – war das natürlich sehr verständlich. Beide Gegenstände tragen eine gewisse Verwandtschaft in sich: Eine Person geht auf Reisen und bringt ein kleines – oder größeres – Stückchen Kultur mit, dass sich mit anderen Menschen teilen lässt.

Samuli Keisus Roadtrip-Sauna am Strand von Cádiz
Willkommenskultur im Schwitzkasten
Ob es sich um ein gemeinsames Essen oder Saunieren handelt, beides eignet sich als Anlass Leute einzuladen und sich auszutauschen. Beide Gegenstände haben das Potential etwas zu entfalten, das über ihre physische Abmessung weit hinaus geht. Statt einem Rückzug in touristische Passivität, „Vanlife“ und Konsumhaltung, entstehen neue Anknüpfungspunkte und Möglichkeiten Menschen kennenzulernen.

Das Runde musste ins Eckige

Mit Samuli Keisu, der seine Road-Trip-Sauna auch gleich am ersten Tag mit in die Uni brachte verstand ich mich auf Anhieb. Wir belegten beide das Fach „Taller de Diseño“ – Designwerkstatt, In dessen Rahmen Designentwürfe praktisch umgesetzt werden sollten. Die Aufgabe: Einen Gegenstand entwerfen, der mit Sport zu tun hat und sich in diesem Kontext auf dem Campus einsetzen lässt. Eine schöne Aufgabe. Und eine gute Gelegenheit ein gemeinsames Vorhaben zu starten – so zumindest unsere Idee. Etwas ernüchtert mussten wir allerdings feststellen, dass die Standards in Sachen Werkstatt-Ausrüstung an der andalusischen Ingenieurs–Fakultät doch deutlich hinter dem zurückblieben, was wir von unseren heimischen Bildungsstätten gewohnt waren. Der Kurs fand in einem kleinen Seminarraum statt, gearbeitet wurde mit Kunstunterrichtsmmäßgem Bastelmaterial. Auch die grundsätzliche Struktur der Lehre erinnerte uns eher an unsere Schulzeit und hatte wenig mit unseren gewohnten akademischen Umfeldern zu tun. Die studierenden absolvierten brav das vorgesehene Programm und klapperten im Klassenverband ihren gut gefüllten Stundenplan ab. Für ambitionierte Entwürfe schien einerseits kaum Kapazität übrig, noch schienen diese überhaupt strukturell begrüßt oder gefördert zu werden. Nichts desto trotz waren Samuli und ich motiviert ein gemeinsames Projekt zu starten und beschlossen, anlässlich der damals stattfindenden Fußball-Europameisterschaft eine Fußballsauna zu entwerfen. Einsetzbar auf dem Uni-Campus, mit Sport-Bezug (die Erfüllung dieser beiden Kriterien wurde curricular vorausgesetzt) und trotz des engen Rahmens eine Runde Sache!
Erste Formstudien aus Pappe
Samuli überträgt die CAD-Zeichnung aufs Holz

Es gibt nichts Gutes. Außer man tut es!

Der Reiz an unserem Projekt lag von Anfang an in der tatsächlichen Umsetzung einer benutzbaren, mobilen Sauna. Das wirkte sich auch von Beginn an auf den Entwurfsprozess aus. Angesichts der nicht wirklich vorhandenen Werkstatt an der Universität entstanden so einerseits Einschränkungen aber auch eine motivierende Herausforderung. Und als wir das Vorhaben in der Klasse vorstellten, konnten sich die Wenigsten Vorstellen, dass wir es ernst meinten. Auch die Zustimmung unserer Dozentin schien mit einer guten Portion Skepsis bedacht.

Indessen machten wir uns auf den Weg zum nächsten Baumarkt und deckten uns mit einem Heimwerker-Grundstock, bestehend aus Fuchsschwanz, Akkuschrauber und Kappsäge aus. Samuli recherchierte nach Sperrholz-Lieferanten und einem Anhänger-Chassis, während ich daran tüftelte, wie wir aus dem eckigen Holz einen runden Fußball herstellen könnten. Die Festlegung auf das Material Holz stand dabei aus verschiedenen Gründen bereits sehr früh im Prozess: Holz war mit unseren bestehenden Mitteln verarbeitbar, hatte die richtigen Isolationseigenschaften und im Interieur ist es ohnehin die erste Wahl für den Saunabau. Zudem galt es, das zulässige Gesamtgewicht unseres Anhängers von 750kg nicht zu überschreiten – schließlich sollte sich der Entwurf auf dem Campus einsetzen lassen und das, ohne eine immobile Architektur mit verbundener Baugenehmigung etc. zu erfordern. So bastelten und planten wir in unserer Erasmus–WG solange, bis wir ein funktionierendes Konzept in modularer Bauweise entwickelt hatten, dass sich in unserem Wohnzimmer so weit vorbereiten ließ, bis wir die Einzelteile auf dem Balkon herstellen konnten und nur noch einen Ort für die Montage der Sauna benötigten. Freundlicherweise stellte uns die Universidád de Cádiz dafür einen ungenutzten Fahrrad-Parkplatz auf dem Campus zur Verfügung, der sich gut für unsere Zwecke eignete.

Auszug aus unserer Werkplanung
Improvisierte Werkstatt im umgenutzten Fahrradparkhaus.
Montage der vorproduzierten Segmente

Turn on the heat!

Juhuu! Endlich schwitzen. Nach getaner Arbeit war die Freude natürlich groß und die Zeit reif für den ersten Saunagang. Wie eingangs erwähnt, ist die Sauna-Kultur in Andalusien nicht sehr etabliert und der heiße Holzfußball war innerhalb kurzer Zeit stadtbekannt. Während einige Passanten nicht wirklich verstehen konnten, worin denn genau Sinn und Zweck daran liegen sollte, sich den Strandaufenthalt noch zusätzlich zu erwärmen, musste das der lokalen Surfers-Community nicht lange erklärt werden. Der Ball zog ziemlich schnell seine eigene Fangemeinde an und versüßte nicht nur uns selbst den Rest unseres Semesters.
Ein kleiner Holzofen sorgt für die nötige Wärme.
Sauna und Surfen, eine feine Verbindung.